INFORMATION zum Thema Anwendungsauswahl / Artikel 8 MIF-Verordnung

Worum geht es überhaupt?
Die europäische MIF-Verordnung schreibt vor, dass ab 9.6.2016 der Karteninhaber, d.h. die Kunden der Tankstellen und des Handels, die Möglichkeit haben müssen, selber zu entscheiden, welches kartengestützte Zahlungsverfahren sie für die Begleichung der Rechnung nutzen möchten, sofern mehrere Zahlungsmöglichkeiten auf EINER Karte vorhanden sind, z.B. girocard mit dem Co-Branding Maestro.

Was bedeutete das?
Schon bisher hat der Kunde beim Öffnen der Geldbörse entschieden, welche Karte er benutzen möchte. Hier ging es im Wesentlichen um die Entscheidung, ob er lieber mit einer Kreditkarte oder der girocard bezahlt. Schon in der Vergangenheit hat der Kunde bereits beim Öffnen der Geldbörse entschieden, welche Karte er für den Zahlungsvorgang benutzen möchte. Dies wird auch weiterhin so bleiben. Das heißt, die Anwenderauswahl gab es schon immer! Allerdings gibt es schon lange Karten, die über mehrere Zahlungsmöglichkeiten auf EINER Karte verfügen. Dies ist genau das Thema, um das es geht. Das prominenteste Beispiel ist die deutsche girocard mit Maestro bzw. Vpay, die fast jeder Kunde in seiner Geldbörse hat. Diese Karte wird am häufigsten für eine Kartenzahlung in Deutschland genutzt. An den Tankstellen beträgt der Marktanteil deutlich über 60 %!

Worin besteht das Problem?
Wir erklären es am Beispiel der deutschen girocard. Fast alle diese Karten verfügen bereits seit sehr vielen Jahren über mindestens zwei verschiedene Zahlungsmöglichkeiten.

Da ist zum einen das girocard-Verfahren. Dieses wird in Deutschland hauptsächlich mit weit über 90 % genutzt. Der Vorgang wird ausgelöst, in dem eine girocard in ein Bezahlterminal in Deutschland gesteckt wird.

Allerdings gibt es zusätzlich eine zweite Zahlmöglichkeit bei Nutzung dieser Karte über international tätige Zahlungsdienstleister. Das sind heute überwiegend MasterCard bzw. VISA. Auf fast jeder girocard findet man noch ein zusätzliches Logo. Das ist entweder MAESTRO oder VPAY. Das bedeutet, dass auch diese Zahlungsmöglichkeiten mit dieser Karte genutzt werden können. Diese Zahlungsmöglichkeiten wurden bisher vor allem beim Einsatz der girocard-Karten im Ausland automatisch genutzt. Da für die Nutzung dieser Möglichkeit die gleiche PIN wie für die Nutzung der deutschen girocard verwendet wird, ist es kaum einem Kartennutzer bisher bewusst, dass er bei Nutzung dieser Karte in Deutschland eine girocard-Transaktion initiiert und im Ausland eine MAESTRO oder VPAY- Transaktion.

Was will nun die neue EU-Verordnung (MIF-Verordnung)?
Man will vermeiden, dass die Banken oder der Handel die Entscheidung treffen, welches Zahlungsmittel zum Einsatz kommt. Die Rechte des Karteninhabers sollen gestärkt werden! Ob das der Kunde überhaupt will, ist leider nicht hinterfragt worden. Leider ist auch nicht beachtet worden, dass die Auswahlentscheidung bei jedem Kartenzahlvorgang an der Kasse zu zusätzlicher Verwirrung und vor allem zu erhöhtem Zeitaufwand führt. Die Verordnung hat aber zumindest dem Händler das Recht eingeräumt, dem Kunden ein bevorzugtes Zahlungsverfahren vorzuschlagen! Will der Kunde diesem Vorschlag aber nicht folgen, muss er die Möglichkeit haben, diese Vorauswahl zu überschreiben.

Wie wollten alle Beteiligten dieses Problem lösen?
Alle Netzbetreiber, der Einzelhandelsverband sowie Mineralölverbände und auch der Verband der Terminalhersteller haben gemeinsam einen praktikablen Vorschlag ausgearbeitet, der sicherstellen soll, dass im Normalfall - soweit der Kunde nicht explizit den Wunsch einer eigenen Auswahl äußert - der Zahlungsvorgang wie bisher auf der Basis des voreingestellten Vorschlags des Händlers erfolgt. Sofern der Kunde jedoch gerne selbst auswählen möchte, sollte eine Auswahltaste auf dem Terminal implementiert werden. Nach Drücken dieser Auswahltaste sollten dann alle verfügbaren Zahlungsverfahren, die prinzipiell vom Händler akzeptiert werden, angezeigt werden. Damit hätten die negativen Auswirkungen beim Bezahlvorgang weitestgehend vermieden werden können. Detailliertere Erläuterungen zu diesem Vorschlag finden Sie auch im aktuellen Heft 3/2016 der TS-Welt.

Worin besteht aber nun das aktuelle Problem?
Leider hat dieser gemeinsame Vorschlag noch nicht die Zustimmung des Ministeriums der Finanzen gefunden. Auch andere Zahlungsanbieter sehen ein großes Problem mit diesem Vorschlag und fühlen sich nicht gleichbehandelt! Sie wünschen sich, dass immer alle Zahlungsmöglichkeiten auf dem Terminaldisplay angezeigt werden und der Kunde bei jedem Verkaufsvorgang eine eigene Wahl vornimmt. Das ist aber sicher nicht im Interesse des Händlers, der die Gebühren bezahlt. Noch wichtiger ist aber die zu befürchtende Verzögerung der Zahlungsvorgänge an der Kasse. Deshalb ringen wir alle immer noch um eine praktikable Lösung, die die Abläufe an der Kasse nicht behindert und nur im Bedarfsfall dem Karteninhaber sein Recht auf Auswahl einräumt.

Das alles ist noch in aktiver Diskussion auf verschiedensten Ebenen. Aber d.h. auch, dass heute immer noch nicht klar ist, wie die Lösung wirklich aussehen soll/darf. Diese Aussage gilt für alle Bereiche, in denen Kartenzahlungen abgewickelt werden. Es ist also keinesfalls nur ein Problemthema der Mineralölbranche oder einzelner Dienstleister.

 

Für Rückfragen stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung.